Global Peacebuilder Summit - ein etwas anderer Gipfel

15.09.2016: Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über irgendeinen Gipfel berichtet wird: G7 oder G8, G20, Klimagipfel, Weltgipfel zu Humanitärer Hilfe, Wirtschaftsgipfel, NATO-Gipfel… Ist da nicht ein Gipfel derer überfällig, die alle ihre Kraft für den Frieden einsetzen?


von Dr. Ute Finckh-Krämer

Der Journalist Michael Gleich, der seit vielen Jahren Friedensstifter in aller Welt besucht und porträtiert hat, hat daher vor einiger Zeit beim Auswärtigen Amt kurzerhand einen Projektvorschlag für einen "Global Peacebuilder Summit" eingereicht. Ich habe zu denen gehört, mit denen er dieses Projekt im Vorfeld diskutiert hat.

Am vierten September war es dann so weit - 29 Friedensstifter aus 25 Ländern, von Afghanistan über Kolumbien und Ruanda bis hin zu Syrien und der Ukraine reisten an und trafen sich zunächst in Paretz an der Havel, um sich kennen zu lernen und auszutauschen. Eine dreißigste hatte leider kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Die beiden bekanntesten Teilnehmer waren "der Pastor und der Imam" aus Nigeria, die immer nur gemeinsam auftreten. Deswegen wurde für sie die Regel durchbrochen, dass - wie bei einem politischen Gipfel - jedes Land bzw. jede Organisation durch eine herausragende Persönlichkeit repräsentiert wird. Es waren aber auch andere Prominente dabei: eine der Teilnehmerinnen - Asha Haji Elmi aus Somalia - ist Trägerin des renommierten Right Livelihood Award ("Alternativer Nobelpreis"). Anders als bei den Gipfeln von Staats- und Regierungschefs oder bei Wirtschaftsgipfeln waren zur Hälfte Frauen angereist. Darunter mehrere, die - wie Asha - dafür gekämpft hatten, dass Frauen in den sie betreffenden Friedensverhandlungen in ihren Ländern überhaupt zugelassen werden.

Bis Mittwoch dauerte der Erfahrungsaustausch. Die Leitfragen waren: Was brauche ich persönlich, um unter Extrembedingungen meine Friedensarbeit machen zu können? Was braucht meine Organisation, um stärker zu werden? Was braucht die globale Zivilgesellschaft, um auf aktuelle Herausforderungen antworten zu können? Anscheinend flossen dabei reichlich Tränen - Tränen der Trauer über das, was berichtet wurde und Tränen der Erleichterung, weil viele sich erstmals mit Menschen aus anderen Ländern austauschen konnten, die die gleichen Erfahrungen machen und mit den gleichen Problemen kämpfen wie sie selber.

Am Donnerstag und Freitag fanden dann unter anderem Treffen mit dem politischen Berlin statt - mit Abgeordneten, Fachleuten aus dem Außwärtigen Amt und VertreterInnen von deutschen Friedensorganisationen. Ich konnte an beiden Treffen teilnehmen und gehörte zusätzlich zu einer kleinen Gruppe von UnterstützerInnen, die bereits am Dienstagabend zu einem informellen Treffen in Paretz eingeladen waren. An diesem Abend flossen keine Tränen mehr, dafür wurde viel gelacht und der Umgangston war so herzlich wie unter langjährigen Freunden. Auch das unterschied den Peacebuilder Summit von den üblichen Gipfeln, wo regelmäßig eine nur mühsam übertünchte frostige Atmosphäre herrscht.

Für das Protokoll des Gipfels hatten sich die VeranstalterInnen etwas ganz Besonderes ausgedacht: es wurde von einer Künstlerin gestaltet. Und sowohl beim zweistündigen Abgeordnetengespräch als auch beim Treffen im Auswärtigen Amt wurde deutlich, dass erfolgreiche FriedensstifterInnen politisch denken können. Sie formulierten sehr deutlich, was sie von uns als Abgeordneten bzw. von der Bundesregierung erhoffen - z.B. dass wir unsere eigenen Aktivitäten kritisch auswerten und aus Fehlern lernen, dass wir Friedens- und Versöhnungsprozesse langfristig begleiten anstatt lauter Einzelprojekte aneinander zu reihen, dass wir ihren jeweiligen Regierungen kritische Fragen stellen und bei der Ausgestaltung von Friedensverhandlungen darauf bestehen, dass Frauennetzwerke gleichberechtigt an den Verhandlungen teilnehmen können. Faszinierend fand ich die anschaulichen Bilder, die vor allem die Frauen in ihren Beiträgen benutzten. So verglich eine den Gipfelprozess mit einer Perlenkette: aus einzelnen Perlen wurde eine Kette, in der die einzelnen sich gegenseitig Halt geben.

Der Global Peacebuilder Summit soll keine einmalige Veranstaltung bleiben: Bei der Veranstaltung im Auswärtigen Amt hat der Leiter der Abteilung S erklärt, dass er eine Wiederholung des Global Peacebuilder Summit im Jahr 2018 gerne unterstützt. Ich bin sehr gespannt, was bis dahin aus den Kontakten, die die FriedensstifterInnen untereinander und zu deutschen ExpertInnen geknüpft haben, entsteht.

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